Es ist diese Zeit im Jahr, in der gefühlt jede:r hustet, niest und sich schlapper fühlt als sonst. Die Erkältungs- und Grippesaison hat sich langsam eingeschlichen. Selbst, wer sonst fit ist und einen starken Rhythmus im Training hat, wird plötzlich ausgebremst. Ich selbst bin seit Jahrzehnten passionierte Läuferin, und trotzdem hat mich eine Erkältung kürzlich erwischt und lahmgelegt. Und dann, wenn die schlimmsten Symptome abgeklungen sind, steht man vor der Herausforderung, wieder anzufangen – eine Hürde, die sich manchmal überraschend hoch anfühlt.
Mir geht es da wahrscheinlich wie vielen von euch: Der Gedanke, die Laufschuhe zu schnüren und die altbekannte Strecke anzugehen, ist plötzlich alles andere als selbstverständlich. Dieses Hochgefühl, das uns sonst über die ersten Schritte trägt, ist verflogen und weicht einer Art innerem Widerstand. Es ist fast, als hätte sich die Kraft, der Antrieb irgendwo in unserem Körper versteckt. Aber zum Glück – und das wissen wir Läuferinnen nur zu gut – gibt es irgendwo in uns immer eine tiefere Stimme, die uns letztlich motiviert, doch rauszugehen. Denn wir wissen, dass Laufen oft die beste Medizin ist.
Und vielleicht muss es nach so einer Pause gar nicht der lange Lauf oder das festgelegte Tempo sein. Manchmal tut es nämlich richtig gut, einfach ganz ohne Druck loszulaufen, ohne Uhr, ohne Tracking, und dafür mit offenen Augen, den Moment genießend. Die frische Luft einzuatmen, den Nebel zu sehen und die Ruhe zu spüren. Das ist Laufen im Hier und Jetzt.
Diese unbeschwerten Momente erinnern uns daran, warum wir mit dem Laufen angefangen haben: für das Gefühl der Freiheit und die Freude an der Bewegung.
Denn die Kraft ist noch da. Manchmal braucht sie nur einen kleinen Anstoß, einen Moment voller Leichtigkeit, um sich wieder zu zeigen. Und dann spüren wir: Es gibt kaum etwas, das uns das Laufen nicht geben kann.
Ilse Dippmann, Gründerin des Österreichischen Frauenlaufs