Faszientraining

Faszientraining – berechtigter Hype?

Expertinnen-Tipp von Maria Hinnerth - Frauenlauftrainerin, ausgebildete Athletik-Trainerin, Physiotherapeutin und aktive Läuferin.

 

 

www.befit-befast.at

Was sind Faszien?

Unter Faszien versteht man eine Art von Bindegewebe, das sich wie ein Netzwerk über den gesamten Körper erstreckt. Es umhüllt und durchzieht Organe, Muskeln, Nerven und Gefäße. Die Faszien sind im Zusammenspiel mit anderen Körperstrukturen an der Absorption und Übertragung von Kräften beteiligt die auf den Körper einwirken und ermöglicht damit effiziente und geschmeidige Bewegungen.

Kann man Faszien trainieren?

In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um das Thema Faszien entstanden. Angebote um die „Faszienfitness“ zu verbessern gibt es wie Sand am Meer. Bei näherem Hinsehen finden sich jedoch altbekannte Trainingskonzepte die unter neuen Namen angepriesen werden. Zwei Aspekte die durch Faszientraining erreicht werden sollen sind eine gesteigerte Beweglichkeit, sowie eine verbesserte Kraftübertragung. Die Beweglichkeit wird dabei klassisch über Dehnübungen angesprochen: Schwunggymnastik, statisches Dehnen und auch leichtes Wippen in endgradigen Dehnpositionen erhöhen den Bewegungsumfang. Um die Kraftübertragung zu steigern sind schnelle Muskelkontraktionen mit einer gewissen Belastung vonnöten, wie sie zum Beispiel beim Springen erreicht werden.

Sowohl eine gute Beweglichkeit als auch eine optimale Kraftübertragung sind für Läuferinnen wünschenswerte Fähigkeiten. Dafür braucht es jedoch keine eigens konzipierten Faszientrainingskurse. Regelmäßiges Dehnen und die Durchführung von Lauf-ABC-Übungen (Knieheben, Anfersen, Hopserlauf, Sprunglauf,…) bieten mit Sicherheit das spezifischste Faszientraining für Läuferinnen.

Welche Rolle spielen Foam-Rolls?

Im Zusammenhang mit Faszientraining hört man regelmäßig von der Blackroll bzw. Foam-Rolls. Dabei handelt es sich um feste Schaumstoffrollen über die bevorzugt die Muskelpartien an den Beinen gerollt werden. Dem Foam-Rolling werden oft wahre Wunderwirkungen (Lösen von „Verklebungen“, Leistungssteigerung, Verletzungsprävention, Verbesserte Bewegungsfähigkeit…) zugeschrieben. Leider ist ein Großteil der versprochenen Wirkungen nicht wissenschaftlich belegt. Bevorzugt wird die Rolle eingesetzt um schmerzende Stellen im Muskel „wegzurollen“, was mit dem Lösen von Faszienverklebungen erklärt wird.

 

 

Eine tatsächliche Veränderung der Faszienstruktur wird dabei jedoch nicht erreicht. Vielmehr scheint der Druck durch die Eigenmassage eine Reduktion der Gewebespannung durch die Aktivierung des Nervensystems zu bewirken. Daher sollte auch nicht mit zu hohem Druck gerollt werden, um eine mögliche Steigerung der Spannung, ausgelöst durch starken Schmerz, zu verhindern. Bei der Arbeit mit der Foam-Roll gibt es nach wie vor keine einheitlichen Vorgaben zu Umfang und Häufigkeit der Anwendung – die Angaben reichen von 30 Sekunden pro Muskelpartie bis zu mehreren Minuten. Letztendlich bleibt es jeder Läuferin selbst überlassen wie intensiv sie die Foam-Roll einsetzt, die Hauptsache ist, dass sie sich danach in ihrem Körper wohler fühlt.



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