Süße Früchte

sind voll im Trend, rund im Geschmack, ABER tatsächlich so wertvoll wie man meint?!

In der Ernährungspyramide bilden sie gemeinsam mit Gemüse die Grundbasis der Ernährungsempfehlungen. Insgesamt darf, soll oder muss man sogar 5 Hände voll Obst und Gemüse pro Tag essen, wenn man den Empfehlungen der internationalen Ernährungsgesellschaften Folge leisten möchte. Viele Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe locken neben dem guten Geschmack und den wenigen Kalorien. Aber ganz ehrlich, wer hält sich denn tatsächlich daran? NIEMAND!!!! Denn in Wirklichkeit essen viele, besonders viele, die meisten Frauen weit mehr als diese 5 Hände voll Obst und Gemüse.

Vor allem im Obst wird die Empfehlung von 2 Händen pro Tag deutlich überschritten. Die „Smoothiebewegung“ hat dazu ihren Beitrag geleistet! Denn um EINEN Smoothie zuzubereiten, braucht es weit mehr als 2 Hände voll Obst. Vielmehr braucht es je nach Obstsorte bis zu 7 Stück um eine entsprechende Portion zusammen zu bekommen. Immerhin möchte man damit ja teilweise sogar Mahlzeiten ersetzen. Außerdem scheint es ja kein Nachteil zu sein, sich mit einer Lawine an Vitaminen und Mineralien durch nur einen einzigen Trink zu versorgen.

Doch der Schein trügt!! Leider ist das nämlich mit der Aufnahme der Vitamine so eine Sache. Die Aufnahme an Nährstoffen allgemein in den Blutkreislauf hängt tatsächlich vom Bedarf ab. Das bedeutet je höher der Bedarf z.B. an einem Vitamin umso effizienter die Resorption (die Aufnahme der Nährstoffe in den Blutkreislauf, und somit in den Stoffwechsel). Wasserlösliche Vitamine können nicht wirklich gut gespeichert werden (mit wenigen Ausnahmen) und müssen tatsächlich regelmäßig zugeführt werden. UND was zu viel hereinkommt, muss auch wieder abtransportiert werden…daher kommt es auch zu einem Mehraufwand für Nieren und Leber.

Tatsächlich reicht eine Kiwi um den Vitamin C Bedarf eines  ganzen Tages zu decken. Abgesehen davon ist Vitamin C nicht nur in Früchten enthalten. So nebenbei enthalten auch Erdäpfel einen hohen Anteil an Vitamin C. Fettlösliche Vitamine wie etwa Vitamin A, E oder D sind speicherfähig. Das bedeutet natürlich nicht, dass man diese nur sporadisch zuführen muss, übertreiben darf man es aber auch nicht, da ein Überschuss ebenfalls die Leber belasten kann. Tatsächlich deckt eine Karotte den Tagesbedarf an ß-Carotin (Vorstufe von Vitamin A). Viele B-Vitamine, die wasserlöslich sind, sind in Getreide, aber auch Fleisch, Nüssen und vielen anderen Lebensmitteln enthalten.

Durch das ganzjährige internationale Überangebot an süßen Früchten, und dem „suggerierten“ Gesundheitswert, ist dessen Verzehrmenge in den letzten Jahren explodiert. „Rein theoretisch“ eine gute Entwicklung in unserer Ernährungsgesellschaft, ABER „rein praktisch“ ganz und gar nicht. Dabei möchte ich auch gar nicht auf den mächtigen CO2 Fußabdruck eingehen (nur sensibilisieren), sondern vielmehr auf die physiologischen Gegebenheiten. Ist es nämlich tatsächlich gesund so viel Obst zu essen? Bei Obst und auch Gemüse kommt man schnell auf den Gedanken, dass man davon endlos viel essen darf.

Der Darm sieht das aber nicht so ganz entspannt. Blähungen, Blähbäuche, Verdauungsbeschwerden aller Art bis hin zu „Reizdarmsyndrom“ können aus einem Übermaß an Obstgenuss resultieren. Der Mensch hat in seiner frühesten Entwicklung  („Jäger und Sammler“) bereits Früchte gegessen, und dabei die Verwertung und Nutzung des Fruchtzuckers erlernt. Allerdings wird diese Fähigkeit deutlich überschätzt, denn nur ein relativ kleiner Teil an Fruchtzucker schafft es in den Blutkreislauf. Fructose (Fruchtzucker) wird über die Darmschleimhaut resorbiert und in den Blutkreislauf aufgenommen, zur Leber geschickt und verarbeitet.

Der Rest bleibt im Darm, wo die dort lauernden Bakterien sich drauf stürzen und sprichwörtlich „Gas geben“! Es entstehen tatsächlich Gase, die den Darm aufblähen, bzw. auch den Darm verlassen möchten. Neben Blähungen kann es dann zu akuten Durchfällen und „Darmschneiden“ führen. Da aber Obst als „gesund“ und „unschuldig“ bekannt ist, kann es wie „der Wolf im Schafspelz“ über einen längeren Zeitraum Unheil bringen, bis man vielleicht durch Zufall, oder diesen Artikel auf die Idee kommt, den Obstverzehr zu „normalisieren“!

Die Schlussfolgerung: Obst ist gesund und wertvoll, wenn man es in Maßen genießt. Daher 2-3 Hände voll Obst während des Tages sind durchaus sinnvoll und empfehlenswert. Und vielleicht dabei auch etwas auf Regionalität und Saisonalität achten.

Viel Spaß beim Laufen, und viel Freude beim „gesunden“ Obstgenuss.

Eure Christina Lachkovics-Budschedl, renommierte Ernährungswissenschafterin, Bestsellerautorin und vierfach Mama

fit10.at



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