Interview mit Ilse Dippmann

Ilse Dippmann, Initiatorin und Organisatorin des Österreichischen Frauenlaufs, über ihre eigenen Laufanfänge, die Idee Frauenlauf und ihre ganz persönliche Sicht auf die (Frauen-)Laufszene ...

An der Startlinie: der Beginn des Österreichischen Frauenlaufs

Mit 440 Läuferinnen haben Sie 1988 begonnen, jetzt sind es 33.000. Was ist das für ein Gefühl?

Ein unglaubliches. Zwar hatte ich in gewisser Weise schon immer die Vision, dass der Österreichische Frauenlauf einmal solche Dimensionen annehmen könnte, doch den Eindruck, den man am Start bekommt, ist ein ganz anderer! Man spürt einfach, dass hinter jedem der über 30.000 Gesichter eine eigene Geschichte steht und das ist ein unbeschreibliches Gefühl!

Trotz des großen Erfolges ist der "Frauenlauf" international gesehen noch eine sehr junge Laufveranstaltung. Wie haben Sie die Laufwelt damals erlebt?

Die Zeiten waren einfach andere. Man muss sich einmal vorstellen, dass die Frauen erst 1984 den Marathon als olympische Disziplin laufen durften, damals in Los Angeles. Da steckte der Frauenlauf also wirklich noch in den Kinderschuhen. Heute wäre eine Szene, wie jene, wo Kathrine Switzer aus dem Läuferfeld des Boston Marathons 1967 vom Veranstalter gestoßen wird, kaum mehr vorstellbar. Aber es ist noch gar nicht lange her, dass es Frauen tatsächlich untersagt war, an Marathons teilzunehmen! Die Laufszene stand damals vor einem großen Wandel.

War der Österreichische Frauenlauf also Ihre Antwort auf die frauenlose Laufszene?

Das kann man so sagen. Bei meinem ersten Marathon in New York 1986 lernte ich die Frauenlauf-Idee erstmals kennen und war sofort begeistert. Denn das Laufen kann für viele Mädchen und Frauen ein großer Schritt zu mehr Selbstachtung, einem gesteigertem Selbstwertgefühl und einem gesünderen aktiven Leben sein. Ein Jahr später fasste ich dann den Entschluss einen Frauenlauf in Österreich zu veranstalten. Viele Leute belächelten mich. Heute aber zählt der Österreichische Frauenlauf zu den führenden Frauenläufen weltweit und ist als eine treibende, kreative und innovative Kraft in der heimischen und internationalen Laufszene nicht mehr wegzudenken.

Inspiration Kathrine Switzer - US Frauenlauf-Pionierin

In dieser Hinsicht war wohl Kathrine Switzer prägend für Sie. Was macht diese Frau so bedeutend?

Kathrine Switzer nahm als erste Frau 1967, damals verbotener Weise, an einem Marathon teil. Zu dem Zeitpunkt war es selbst für Experten undenkbar, dass Frauen so lange Distanzen überhaupt bewältigen können. Doch sie ließ sich von keinem Verbot aufhalten und kämpfte unbeirrt für die Teilnahme von Frauen an Marathons. 1974 gewann sie erstmals den New York Marathon und kann mittlerweile mehr als 30 Marathons auf ihrem Konto verbuchen. Im Zuge dessen organisierte sie als Erste in New York City einen Frauenlauf. Damit wurde sie zur Frauenlauf-Pionierin und mein Vorbild. 2005 durfte ich sie dann persönlich kennen lernen und ihr den Frauenlauf-Award überreichen. Sie ist wirklich eine beeindruckende und starke Persönlichkeit, die zu Recht Auszeichnungen wie "Läuferin des Jahrzehnts", bekam.

Kathrine war 2012 bereits das vierte Mal in Wien. Wie kommt das?

Kathrine ist mittlerweile eine sehr gute Freundin von mir geworden und war 2005, 2006, 2010 und 2012 bereits viermal beim Österreichischen Frauenlauf in Wien mit dabei. Bei ihrem ersten Besuch 2005 trug sie die Startnummern 10.000 und im Jahr 2012, nur 7 Jahre später, lief sie schon mit der Nummer 30.000! Diese Startnummern zeigen symbolisch v.a. zwei Dinge auf: Erstens verzeichnen wir ein immenses Wachstum in der Teilnehmerinnenzahl – das kann kaum eine andere Laufveranstaltung aufweisen. Zweitens, und das steckt ja hinter der Größe der Veranstaltung, die Begeisterung der Frauen für das Laufen und v.a. für den Österreichischen Frauenlauf.

Was denken Sie - was steckt hinter dieser Begeisterung?

Hinter dieser Begeisterung steht sicherlich auch der Gedanke des "Empowerments"!
Um Kathrine Switzer zu zitieren: sie meinte 2010 bei unserer Pressekonferenz, dass "Es einfach wunderbar zu sehen ist, wie Frauen sich durch das Laufen verwandeln können, andere damit inspirieren und auch sich selbst. Frauen können einfach alles erreichen." Damit hat sie nicht nur mir aus der Seele gesprochen, sondern sicherlich auch unseren Teilnehmerinnen.

Die eigenen Laufanfänge - Laufen ist Motivation

Wie kamen Sie eigentlich zum Laufen, Frau Dippmann?

Ich hatte früher wenig für Sport übrig. Ich war starke Raucherin und statt Laufschuhen waren Highheels angesagt. Einige Jahre später hatte ich allerdings einen Freund, der Marathonläufer war und so lernte ich die Laufwelt näher kennen. 1986 betreute ich ihn zum ersten Mal beim Marathon in Wien. Als wir am Abend nach dem Lauf mit seinen Laufkollegen in ein Lokal gingen, war ich völlig fertig - dabei bin ich nicht einmal einen Kilometer mitgelaufen! Alle anderen hingegen haben voller Energie gefeiert. In diesem Moment habe ich mir selbst versprochen mit dem Laufen zu beginnen und noch im selben Jahr einen Marathon zu laufen. Im November bin ich schließlich wirklich in New York an den Start gegangen.

Sie laufen jetzt seit 30 Jahren, was bedeutet Ihnen der Sport heute noch?

Immer noch enorm viel. Durch den Sport habe ich gelernt Kraft zu schöpfen, in dem ich konsequent einen Plan verfolge - selbst wenn es hin und wieder Rückschläge zu verkraften gibt. Außerdem sehe ich mit Stolz auf meine Erfolge in den 30 laufenden Jahren zurück. Doch so ehrgeizig wie vor 20 Jahren - damals bin ich fünf Marathons in einem Jahr gelaufen, bin ich heute nicht mehr. Dafür habe ich auch einfach nicht mehr die Zeit. Ich laufe noch drei bis fünf Mal pro Woche. Ich laufe aber jetzt auch noch gerne selbst bei einigen Laufveranstaltungen mit, da ich mich besonders durch Wettkämpfe als Ziel, auf das man hinarbeitet, motivieren kann. Mit einem Ziel vor Augen gestaltet sich für mich ein Lauftraining einfacher und spannender. Ich bin auch jetzt noch immer eine Kämpferin, vor allem auch im Wettkampf. Und das alles sind einfach Aspekte, die man auch leicht auf viele andere Bereiche im Leben umlegen kann: konsequent einen Plan verfolgen, dafür arbeiten/trainieren und dann, wenn es um etwas geht, einfach alles geben.

Sie sind der Meinung, dass Laufen die perfekte Sportart für Frauen ist. Wieso?

Weil es die beste Art ist, jung zu bleiben und gleichzeitig Stress abzubauen. Nichts ist befreiender als sich durch die Natur zu bewegen, dabei Sauerstoff zu tanken, die Muskulatur zu trainieren und Zeit für sich selbst zu haben. Ich bin davon überzeugt, dass es viele Frauen gibt, die Laufen noch nie ausprobiert haben, dabei kann es das Leben mit Sicherheit bereichern.

Initiativen und Aktivitäten - mehr als nur ein Lauf

Laufen kann man schließlich immer und überall, aber was soll die Läuferinnen zur Teilnahme an einer Laufveranstaltung wie dem Österreichischen Frauenlauf bewegen?

Ich weiß, wie hart es ist, sich immer wieder selbst zu motivieren. Aber wer ein Ziel hat, dem fällt die Überwindung leichter regelmäßig zu trainieren. In dem Fall ist die Anmeldung zu einem Wettbewerb ideal. Gerade der Frauenlauf bietet überwindbare Strecken an, die sich für alle Läuferinnen eignen und aus jeder eine garantierte Siegerin machen. So ist das "mit dabei sein" für viele Frauen möglich. In dem Zusammenhang stehen auch die Frauenlauftrainings.

Was ist eigentlich ein Frauenlauftraining und was macht es so besonders?

Die Frauenlauftrainings haben die simple, aber wirkungsvolle Aufgabe, das Training etwas zu erleichtern und eine gewisse Regelmäßigkeit in den Laufalltag zu bringen. Außerdem fällt es leichter sich in der Gruppe für das Training zu motivieren. Man trifft sich, plaudert und trainiert. Der Grund warum ich die Lauftrainings 1997 ins Leben rief, war einfach jener, dass Einsteigerinnen in gemischten Lauftreffs selbst in der langsamsten Gruppe keine Chance hatten mitzukommen. Bei uns läuft das anders. Von der Einsteigerin bis zur leistungsorientierten Hobbyläuferin findet jede einen geeigneten Platz in einer Gruppe und bekommt die Möglichkeit mit ausgebildeten Laufinstruktorinnen gezielt zu trainieren - ohne Anmeldung und kostenlos.

Das gemeinsame Vorbereiten für den Start beim Österreichischen Frauenlauf hat vielen Läuferinnen beim Einstieg geholfen; und der Spaß in der Gruppe zu laufen hat viele veranlasst dabei zu bleiben. Viele Läuferinnen, die mit den Frauenlauftrainings die ersten Schritte gewagt haben, sind mittlerweile Marathon-Erprobte und einige von ihnen auch Laufinstruktorinnen bei uns geworden.

Was ist in diesem Zusammenhang das "Fit in 12 Wochen"-Programm?

Mit unserem "Fit in 12 Wochen"- Programm geben wir jeder Frau das geeignete Instrument in die Hand, um alleine oder mit anderen mit dem Laufen zu beginnen. Durch das strukturierte Training kann sich jede Frau auf ihren erfolgreichen Start beim Frauenlauf gezielt vorbereiten. Mit speziellen Trainingsplänen für Anfängerinnen schafft es jede nach 12 Wochen 5 km durchzulaufen. Für fortgeschrittene Läuferinnen stehen Pläne für ambitionierte 5 km bzw. 10 km Zielzeiten zur Verfügung.

Sie organisieren für die Lauf-Community neben den kostenlosen Frauenlauftrainings aber noch viel mehr ...

Aus unserem Ziel, Läuferinnen auch das Jahr über sportlich zu begleiten, haben sich auch viele andere Aktionen – wie beispielsweise Lauf-Wochenenden bzw. Seminare – ergeben und waren einfach eine logische Konsequenz der bisherigen Angebote.

Wir setzen auch jedes Jahr neue Akzente. 2015 haben wir den Österreichischen Frauenlauf unter das Motto Run the City gesetzt – denn nie zuvor waren so viele Frauen und Mädchen laufend, walkend, trainierend im öffentlichen Raum anzutreffen. Daraus haben sich eine Reihe von Aktionen ergeben – wie einen Morning Run in der Wiener Innenstadt oder auch zwei Bootcamps. Das war ein durchschlagender Erfolg. Mir macht es unheimlich viel Freude mit begeisterten Frauen so etwas zu erleben. Auch mir gibt es einen enormen Energieschub.

Im Rahmen der Frauenlauftrainings engagieren Sie sich besonders für die jüngeren Läuferinnen. Eigene Girls Running Workouts wurden ins Leben gerufen. Warum?

Die Girls liegen mir besonders am Herzen, weil ich sehe, dass sich die Jugend immer weniger bewegt. Junge Mädchen sind Sport gegenüber teilweise sehr negativ eingestellt. Ich möchte mit den Workouts dafür sorgen, dass sich die Mädchen zum Sport zusammen tun, so wie Buben Fußball spielen gehen. Spezielle Trainerinnen laufen mit den jungen Läuferinnen und neben dem Lauf-ABC und Intervalltrainings ist Spiel und Spaß immer mit dabei. Den Mädchen soll schließlich nicht langweilig werden. Zudem sind diese Workouts, wie die Frauenlauftrainings, kostenlos. Wir bemühen uns auch in Zusammenarbeit mit den Schulen und vielen engagierten LehrerInnen, so viele Mädchen wie möglich zur Bewegung zu motivieren. Hier ist auch die Teilnahme am Österreichischen Frauenlauf eine treibende Kraft: 2016 haben beispielsweise 132 Schulen mit 5.700 Mädchen unter 18 Jahren mitgemacht. Als Laufveranstalter leisten wir damit auch Nachwuchsarbeit für Schülerinnen, die sonst eher zu den Bewegungsmuffeln zählen würden.

Wenn man sich das Starterinnenfeld des Österreichischen Frauenlaufs anschaut, dann ist Laufen aber keine Frage des Alters noch der Herkunft…

Genau – wir sehen jedes Jahr mit viel Freude, dass so viele unterschiedliche Frauen und Mädchen eine Leidenschaft im Laufen finden. Ganz egal welchen Alters – im Jahr 2016 war die jüngste Läuferin gerade einmal 6 Jahre alt und die älteste 86! - welchem sportlichen Leistungsniveaus, Sprache, Herkunft oder Nation. 99 Nationen waren beim Österreichischen Frauenlauf 2016 am Start vertreten! Das ist wirklich toll und diese unglaubliche Vielfalt trägt zu der einzigartigen und sensationellen Stimmung am Start, auf der Strecke und im Ziel bei! Aus diesem Grund haben wir beispielsweise den 26. Österreichischen Frauenlauf im Jahr 2013 auch ganz unter das Motto „Diversity & Vielfalt“ gestellt.

In Zeiten von Social Media suchen Sie auch dementsprechende Kommunikationswege, um mit Frauen in Kontakt zu treten.

Ja genau. Seit Anfang 2010 sind wir als Österreichischer Frauenlauf auf Facebook vertreten. Wir haben bis dato mehr als 25.000 „Fans“, die in regen Kontakt mit uns sind. Auch wenn die Anzahl der Facebook-Fans nicht das wichtigste ist - aber es freut mich natürlich, dass wir mit so vielen Läuferinnen in Kontakt stehen. Am wichtigsten ist für mich aber das unmittelbare Feedback, das durch Facebook möglich ist. Das ist nach dem Österreichischen Frauenlauf jedes Jahr überwältigend: tausende Likes und Postings von glücklichen, begeisterten Läuferinnen auf unserer Facebook-Seite bezeugen das.

Support - Nachwuchsförderung, Charity und Frauenlauf-Award

Im Zuge des Österreichischen Frauenlaufs haben Sie in den vergangenen Jahren immer wieder gemeinnützige Organisationen unterstützt. Was hat Charity und Sport gemeinsam und warum ist Ihnen diese Verbindung wichtig?

In beiden Bereichen - Charity und Sport - geht es um Nachhaltigkeit! Viele Frauen haben durch die Teilnahme am Österreichischen Frauenlauf die Freude am Laufen oder allgemeiner gesprochen, an der Bewegung entdeckt. In diesem Fall war der Österreichische Frauenlauf für viele sozusagen der Startschuss in ein bewegteres und somit gesünderes Leben. Solch einen Startschuss benötigen auch viele Charity-Organisationen oder Vereine, um nachhaltig ihrer Klientel helfen zu können oder um in der öffentlichen Wahrnehmung zu bestehen. Aus diesem Grund unterstützten wir in der Vergangenheit bereits die Wiener Frauenhäuser, die Aktion Brustgesundheit (gegen Brustkrebs) oder die Initiative Venengesundheit. Natürlich muss ich persönlich auch immer von der jeweiligen Initiative überzeugt sein.

Uns ist bei allen Charity-Aktivitäten aber besonders wichtig, dass der sportliche Aspekt, und das Laufen an sich, beim Österreichischen Frauenlauf immer im Vordergrund steht. Daher unterstützen wir immer einige wenige gemeinnützige Initiativen, diese dann aber sehr tatkräftig.

Sie unterstützen aber nicht nur lokale, sondern auch international tätige Personen und Organisationen!

Wir haben in der Vergangenheit mit dem Frauenlauf-Award mutige Frauen unterstützt, die für ihre Ideale kämpfen. Dieser Award und eine beträchtliche Summe gingen bereits an Waris Dirie, die sich gegen FGM engagiert, Stella Deetjen, die die sich für Straßenkinder und Leprabetroffene in Indien einsetzt, oder auch an Kathrine Switzer oder Tegla Loroupe - sie ist eine Profiläuferin, die sich auf ihrem Heimatkontinent Afrika für die Armutsbekämpfung, Aidshilfe und Bildung stark macht. Genauso nachhaltig wie diese Engagements war 2010 und 2011 die Zusammenarbeit mit Almaz Böhm und "Menschen für Menschen" - gemeinsam mit einem anderen Sponsor haben wir den Brunnenbau in Äthiopien unterstützt, welche in weiterer Folge Frauen und Mädchen mehr Zeit für Bildung etc. ermöglicht.

Seit 2012 unterstützen wir, und unsere Teilnehmerinnen im Zuge des „Förder-Euros“, das österreichisch-kenianische Laufprojekt run2gether! Ziel dieses Projektes ist es kenianischen Athleten, deren Familien und vielen laufbegeisterten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten und passende Rahmenbedingungen zu schaffen, um ihr Leben mit Hilfe des Laufsports zu meistern und finanzieren zu können.

Frauenlauftrainings, Girls Running Workout und Awards - woher nehmen Sie all diese Ideen?

Die meisten Ideen kommen mir, wenn ich laufen gehe. Ich habe einfach so riesigen Spaß daran, Frauen für das Laufen zu begeistern, dass täglich Ideen aus mir heraussprudeln. Nicht alle kann ich sofort umsetzen, das braucht Zeit.

Auch mein Partner, Andreas Schnabl, hat einen sehr großen Anteil an dem Frauenlauf, wie wir ihn heute kennen. Mit ihm ist der Frauenlauf von einer 700-Personen-Veranstaltung zu einem zweitägigen Event mit mehr als 33.000 Teilnehmerinnen und 100.000 ZuschauerInnen geworden. Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Wir sind füreinander Partner und Geschäftspartner und wenn wir gemeinsam laufen, kommen uns die besten Ideen!

Nationale und internationale Top-Athletinnen am Start

2005 starteten beim Österreichischen Frauenlauf erstmals internationale Eliteläuferinnen. Warum ist das für den Lauf so wichtig?

Eine eigene Elite im Programm zu haben macht den Lauf natürlich sportlich gesehen viel interessanter. Zudem hat unsere nationale Elite so die Chance sich auch mit internationalen Größen des Laufsports zu messen. Auch die Hobbyläuferinnen und jungen Mädchen können beim Frauenlauf damit ihre internationalen Vorbilder aus nächster Nähe beobachten und sogar mit ihnen im gleichen Wettbewerb starten.

Für Jennifer Wenth, Österreichs beste 5.000m Läuferin und 3. Platzierte im Elite-Bewerb des Österreichischen Frauenlaufs 2015 ist beispielsweise ein Wunsch in Erfüllung gegangen: „Ein Ziel von mir war immer, irgendwann beim Österreichischen Frauenlauf am Stockerl zu stehen.“  Das freut mich natürlich unheimlich, wenn nationale Athletinnen die starke Konkurrenz als Ansporn sehen.


In dieser Hinsicht gehen Sie aber noch einen Schritt weiter - Sie unterstützen ja auch heimische Nachwuchstalente.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, junge Leichtathletik-Talente in ihrer sportlichen Karriere zu fördern. Bereits 2012 haben wir an die schnellsten 5 Läuferinnen der Klasse U18 im 5km Bewerb einen Nachwuchsförderpreis vergeben. In den Folgejahren wurden zusätzlich noch die schnellsten 5 österreichischen Läuferinnen der Klasse U20 mit der Nachwuchsförderung unterstützt. Die Förderung der Athletinnen dieser Altersklasse soll eine Motivation zur Fortführung der sportlichen Laufbahn und eine Unterstützung des Trainingsalltags darstellen. Insgesamt werden so jährlich EUR 3.000,- vom Österreichischen Frauenlauf® jungen Leichtathletik-Talenten zur Verfügung gestellt.

Woher nehmen Sie die Motivation und Kraft Jahr für Jahr den Österreichischen Frauenlauf auf die Beine zu stellen?

30 Jahre so eine großartige Veranstaltung organisieren zu können ist einerseits eine anstrengende und manchmal auch nervenaufreibende Aufgabe. Aber am Ende des Tages ist es auch ein sehr, sehr schönes Privileg - das arbeiten zu können, was man liebt und dass man damit Vielen eine Freude machen kann und sie für ein gesünderes, aktives Leben motiviert.

Vor allem machen mich das Lob und die Emotionen der Teilnehmerinnen sehr stark. Wir bekommen nach der Veranstaltung hunderte positive Emails und Postings über Facebook. Am berührendsten sind für mich die 10 Minuten vor dem Schlagen des ersten Startgongs, wenn ich mich durch die tausenden Frauen hindurch auf den Weg zur Startlinie mache. Es überwältigt mich beinahe, wenn mich fremde Frauen umarmen, beglückwünschen, sich bei mir bedanken. Das sind jene Momente in denen ich spüre, wofür es sich zu arbeiten lohnt und dass diese Veranstaltung einfach einzigartig ist.

Die Frauenpower am Start, die vielen strahlenden Gesichter der Mädchen und Frauen im Ziel zu sehen und der Spaß mit einem so tollen Team zu arbeiten, gibt mir jedes Jahr die Kraft wieder mit neuen Ideen an die Sache Österreichischer Frauenlauf heranzugehen.

Zuspruch erfahren Sie aber nicht nur durch die Teilnehmerinenn. Auch international ist der Österreichische Frauenlauf Vorbild in vielen Belangen.

Natürlich ist auch die Anerkennung von anderen Organisatoren eine große Ehre für mich. Viele Laufveranstalter schauen sich einiges von uns ab. 2011 hatten wir sogar internationale Beobachter aus den USA und aus der Schweiz zu Gast beim Österreichischen Frauenlauf. Dale Shumanski von den New York Road Runners, die u.a. den NYC Marathon oder auch den ersten Frauenlauf der Welt, den New York Mini 10k, organisieren, sowie Catherine Imhof und Benno Kästli, verantwortlich für den Schweizer Frauenlauf in Bern, haben sich bei uns als "offical observer" angemeldet und sich unser Event über das ganze Wochenende angesehen. Dieser Besuch ehrt mich ganz besonders, waren doch beide Veranstaltungen in vielerlei Hinsicht Vorbild und Inspiration für den Österreichischen Frauenlauf.

Wie sieht die Vorbereitung eines solchen Events aus?

Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über und werden immer zeitintensiver. Der Österreichische Frauenlauf ist nicht nur eine Veranstaltung, sondern natürlich auch ein Unternehmen. Vor mehr als 10 Jahren habe ich auch meinen Job aufgegeben und mich völlig dem Frauenlauf verschrieben. Eigentlich bin ich Lehrerin. Dass die Planung eines solchen Events so zeitaufwendig ist, können sich die meisten Leute gar nicht vorstellen. Wir wurden schon des Öfteren gefragt, was wir das ganze Jahr über tun, "nur" um ein Wochenende vorzubereiten. Mittlerweile arbeiten jedoch 10 MitarbeiterInnen an der Planung und Umsetzung des Frauenlaufs für mehr als 33.000 Teilnehmerinnen - wir haben einen enormen Professionalisierungsgrad erreicht. Aber es tröstet mich, dass es nicht nur uns so geht! Bei der Pressekonferenz des Chicago Marathons wurden die Organisatoren auch gefragt, warum die Vorbereitungen eigentlich so viel Zeit in Anspruch nehmen - und dieser Marathon gehört schließlich zu den größten der Welt.

Was sind Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse rund um den Österreichischen Frauenlauf?

Wo soll ich da anfangen? Natürlich machen mich die Teilnehmerinnenrekorde der letzten Jahre sehr stolz. 33.000 Frauen und Mädchen auf der Hauptallee, knapp vor dem Start, stehen zu sehen und zu fühlen, dass es sich wieder einmal gelohnt hat so viel zu arbeiten ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl.

Frauenlauf-Pionieren Kathrine Switzer persönlich kennen zu lernen war eines der Highlights für mich. Sie war bereits 3x bei uns in Wien - zuletzt 2012. Dass Kathrine den Österreichischen Fraeunlauf als einen der bedeutendsten Frauenläufe der Welt bezeichnet hat, ist ein enormes Kompliment.

Natürlich war auch die Verleihung des Sportehrenzeichens der Stadt Wien und des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich eine große Ehre.

Mich begeistern und berühren die großen genauso wie die „kleineren“, besonderen Momente rund um den Frauenlauf. Das sind inspirierende Begegnungen mit tollen Spitzen-Athletinnen aber auch mit Frauen aus der riesigen Frauenlauf-Community, die ich bei vielen unserer Side-Events, Seminaren, Aktionen uvm. kennenlernen darf. Sie alle tragen zu der ganz besonderen Energie und Stimmung bei unseren Läufen bei. Ich bin sehr dankbar, viele solche Erlebnisse und Erfahrungen teilen zu dürfen.

Die Zukunft des Frauenlaufs

Wie sehen Sie den Österreichischen Frauenlauf in Zukunft?

Einerseits ganz entspannt. Ich mache mir keinen Druck, neue Teilnehmerinnenrekorde zu brechen. Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Frauen zum Laufen finden werden, wenn wir nur so weitermachen und den Frauenlauf in der Form, als vereinendes Laufevent für Frauen und Mädchen vieler verschiedener Leistungsniveaus und Alters, beibehalten.



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