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Interview mit Ilse Dippmann An der Startlinie...der Beginn des Österreichischen Frauenlaufs |
Mit 440 Läuferinnen haben Sie 1988 begonnen. 2011 waren es 25.145 Mädchen und Frauen, die die Ziellinie überquerten. Was ist das für ein Gefühl? Ein unglaubliches. Zwar hatte ich in gewisser Weise schon immer die Vision, dass der Österreichische Frauenlauf einmal solche Dimensionen annehmen könnte, doch den Eindruck, den man am Start bekommt, ist ein ganz anderer! Man spürt einfach, dass hinter jedem der über 25.000 Gesichter eine eigene Geschichte steht und das ist ein unbeschreibliches Gefühl! Trotz des großen Erfolges ist der "Frauenlauf" international gesehen noch eine sehr junge Laufveranstaltung. Wie haben Sie die Laufwelt damals erlebt? Die Zeiten waren einfach andere. Man muss sich einmal vorstellen, dass die Frauen erst 1984 den Marathon als olympische Disziplin laufen durften, damals in Los Angeles. Da steckte der Frauenlauf also wirklich noch in den Kinderschuhen. Heute wäre eine Szene, wie jene, wo Kathrine Switzer aus dem Läuferfeld des Boston Marathons 1967 vom Veranstalter gestoßen wird, kaum mehr vorstellbar. Aber es ist noch gar nicht lange her, dass es Frauen tatsächlich untersagt war, an Marathons teilzunehmen! Die Laufszene stand damals vor einem großen Wandel.
War der Österreichische Frauenlauf also Ihre Antwort auf die frauenlose Laufszene? Das kann man so sagen. Bei meinem ersten Marathon in New York 1986 lernte ich die Frauenlauf-Idee erstmals kennen und war sofort begeistert. Denn, wie für mich, kann das Laufen für viele Mädchen und Frauen ein großer Schritt zu mehr Selbstachtung, einem gesteigertem Selbstwertgefühl und einem gesünderen aktiven Leben sein. Ein Jahr später fasste ich dann den Entschluss einen Frauenlauf in Österreich zu veranstalten. Viele Leute belächelten mich. Heute aber ist der Österreichische Frauenlauf die zweitgrößte Laufveranstaltung in Österreich, der größte Frauenlauf Kontinentaleuropas und eine treibende, kreative und innovative Kraft in der Laufszene und nicht mehr wegzudenken.  In dieser Hinsicht war wohl Kathrine Switzer prägend für Sie. Was macht diese Frau so bedeutend?
Kathrine Switzer nahm als erste Frau 1967, damals verbotener Weise, an einem Marathon teil. Zu dem Zeitpunkt war es selbst für Experten undenkbar, dass Frauen so lange Distanzen überhaupt bewältigen können. Doch sie ließ sich von keinem Verbot aufhalten und kämpfte unbeirrt für die Teilnahme von Frauen an Marathons. 1974 gewann sie erstmals den New York Marathon und kann mittlerweile 35 Marathons auf ihrem Konto verbuchen. Im Zuge dessen organisierte sie als Erste in New York City einen Frauenlauf. Damit wurde sie zur Frauenlauf-Pionierin und mein Vorbild. 2005 durfte ich sie dann persönlich kennen lernen und ihr den Frauenlauf-Award überreichen. Sie ist wirklich eine beeindruckend starke Persönlichkeit, die zu Recht Auszeichnungen, wie "Läuferin des Jahrzehnts", bekam.
Kathrine war 2010 bereits das dritte Mal in Wien. Wie kommt das?
Kathrine ist mittlerweile eine sehr gute Freundin von mir und war 2005, 2006 und 2010 bereits dreimal in Wien beim Österreichischen Frauenlauf mit dabei. Bei Ihrem ersten Besuch 2005 trug sie die Startnummern 10.000 und 2010, nur 5 Jahre später lief sie schon mit der 20.000! Diese Startnummern zeigen symbolisch v.a. zwei Dinge auf: Erstens haben wir uns innerhalb von nur 5 Jahren mehr als verdoppelt - dieses immense Wachstum kann kaum eine andere Laufveranstaltung aufweisen. Zweitens, und das steckt ja hinter der Größe der Veranstaltung: die Begeisterung der Frauen für das Laufen und v.a. für den Österreichischen Frauenlauf ist ständig im Wachsen. 2011 mussten wir nach nur 31 Tagen die Anmeldung schließen, da der Laufbewerb zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebucht waren war. Innerhalb nur weniger Tage haben sich noch mehr als 2.000 Frauen auf der Warteliste registriert. Einfach unglaublich!
Was denken Sie - was steckt hinter dieser Begeisterung?
Hinter dieser Begeisterung steht sicherlich auch der Gedanke des "Empowerments"! Um Kathrine Switzer zu zitieren: sie meinte 2010 bei unserer Pressekonferenz, dass es einfach wunderbar zu sehen ist, wie Frauen sich durch das Laufen verwandeln können, andere damit inspirieren und auch sich selbst. Frauen können einfach alles erreichen. Damit hat sie nicht nur mir aus der Seele gesprochen, sondern sicherlich auch unseren Teilnehmerinnen.
 Wie kamen Sie eigentlich zum Laufen, Frau Dippmann?
Ich hatte früher wenig für Sport übrig. Ich war starke Raucherin und statt Laufschuhen waren Highheels angesagt. Einige Jahre später hatte ich allerdings einen Freund, der Marathonläufer war und so lernte ich die Laufwelt näher kennen. 1986 betreute ich ihn zum ersten Mal beim Wienmarathon. Als wir am Abend nach dem Lauf mit seinen Laufkollegen in ein Lokal gingen, war ich völlig fertig - dabei bin ich nicht einmal einen Kilometer mitgelaufen! Alle anderen hingegen haben voller Energie gefeiert. In diesem Moment, habe ich mir selbst versprochen mit dem Laufen zu beginnen und noch im selben Jahr einen Marathon zu laufen. Im November bin ich schließlich wirklich in New York an den Start gegangen.
Sie laufen jetzt seit über 25 Jahren, was bedeutet Ihnen der Sport heute noch?
Immer noch enorm viel. Durch den Sport habe ich gelernt, Kraft zu schöpfen, in dem ich konsequent einen Plan verfolge, selbst wenn es hin und wieder Rückschläge zu verkraften gibt. Außerdem sehe ich mit Stolz auf meine Erfolge in den 26 laufenden Jahren zurück. Doch so ehrgeizig wie vor 15 Jahren - damals bin ich fünf Marathons im Jahr gelaufen, bin ich heute nicht mehr. Dafür habe ich auch einfach nicht mehr die Zeit. Ich laufe noch drei bis fünf Mal pro Woche. Ich laufe aber jetzt auch noch gerne selbst bei einigen Laufveranstaltungen mit, da ich mich besonders durch Wettkämpfe als Ziel, auf das man hinarbeitet, motivieren kann. Mit einem Ziel vor Augen gestaltet sich für mich ein Lauftraining einfacher und spannender. Ich bin auch jetzt noch immer eine Kämpferin, v.a. auch im Wettkampf. Und das alles sind einfach Aspekte, die man auch leicht auf viele andere Bereiche im Leben umlegen kann - konsequent einen Plan verfolgen, dafür arbeiten/trainieren und dann, wenn es um etwas geht, einfach alles geben.
Sie sind der Meinung, dass Laufen die perfekte Sportart für Frauen ist. Wieso?
Weil es die beste Art ist, jung zu bleiben und gleichzeitig Stress abzubauen. Nichts ist befreiender als sich durch die Natur zu bewegen, dabei Sauerstoff zu tanken, die Muskulatur zu trainieren und Zeit für sich selbst zu haben. Ich bin überzeugt davon, dass es viele Frauen gibt, die Laufen noch nie ausprobiert haben, dabei kann es das Leben mit Sicherheit bereichern. Initiativen und Aktivitäten rund um den Frauenlauf |
Laufen kann man schließlich immer und überall, aber was soll die Läuferinnen zur Teilnahme an einer Laufveranstaltung wie dem Österreichischen Frauenlauf bewegen?
Ich weiß, wie hart es ist, sich immer wieder selbst zu motivieren. Aber wer ein Ziel hat, dem fällt die Überwindung leichter, regelmäßig zu trainieren. In dem Fall ist die Anmeldung zu einem Wettbewerb eine ideale Sache. Außerdem orientiert sich der Frauenlauf speziell an dem Bedürfnis der Frau "mit dabei zu sein". Das ist ein Ziel von vielen Frauen. Und gerade der Frauenlauf bietet überwindbare Strecken an, die sich für alle Läuferinnen eignen und aus jeder eine garantierte Siegerin machen. In dem Zusammenhang stehen auch die Frauenlauftreffs. | 
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Was ist eigentlich ein Frauenlauftreff und was macht ihn so besonders?
Die Treffs haben die simple, aber wirkungsvolle Aufgabe, das Training etwas zu erleichtern und eine gewisse Regelmäßigkeit in den Laufalltag zu bringen. Außerdem fällt es leichter sich in der Gruppe zum Training zu motivieren. Man trifft sich, plaudert und trainiert. Der Grund warum ich die Lauftreffs 1997 ins Leben rief, war einfach jener, dass Einsteigerinnen in gemischten Lauftreffs selbst in der langsamsten Gruppe keine Chance hatten. Bei uns läuft das anders. Von der Einsteigerin bis zur leistungsorientierten Hobbyläuferin findet jede einen geeigneten Platz in einer Gruppe und bekommt die Möglichkeit mit ausgebildeten Laufinstruktorinnen gezielt zu trainieren - ohne Anmeldung und kostenlos. Und mit unserem "Fit in 12 Wochen"- Programm geben wir jeder Frau das geeignete Instrument in die Hand, um alleine oder mit anderen mit dem Laufen zu beginnen.
Im Rahmen der Lauftreffs engagieren Sie sich besonders für die jüngeren Läuferinnen. Eigene Girlies Running Workouts wurden ins Leben gerufen. Warum?
Die Girlies liegen mir besonders am Herzen, weil ich sehe, dass sich die Jugend immer weniger bewegt. Junge Mädchen sind Sport gegenüber teilweise sehr negativ eingestellt. Ich möchte mit den Workouts dafür sorgen, dass sich die Mädchen zum Sport zusammen tun, so wie Buben Fußball spielen gehen. Spezielle Trainerinnen laufen mit den Girlies und neben dem Lauf ABC und Intervalltrainings ist Spiel und Spaß immer mit dabei. Den Mädchen soll schließlich nicht langweilig werden! Zudem sind diese Workouts wie die Frauenlauftreffs kostenlos. Wir bemühen uns auch in Zusammenarbeit mit den Schulen und vielen engagierten LehrerInnen, so viele Mädchen wie möglich zur Bewegung zu motivieren. Hier ist auch die Teilnahme am Österreichischen Frauenlauf eine treibende Kraft, 2011 haben zB 130 Schulen mit über 5.600 Schülerinnen mitgemacht. Als Laufveranstalter leisten wir damit auch Nachwuchsarbeit für Schülerinnen, die sonst vielleicht eher zu den Bewegungsmuffeln zählen würden. | 
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2011 gab es im Rahmen des Österreichischen Frauenlaufs zum zweiten Mal auch eine besondere Initiative für junge Frauen...
Genau, in Zusammenarbeit mit uns rief unser langjähriger Sponsor Nike 2010 auch die Aktion "Club der Töchter" ins Leben, das sich besonders an junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren richtet und aufzeigt, dass Laufen eine durchaus coole Sportart ist. Als Club-Botschafter fungiert 2010 eine der erfolgreichsten und bekanntesten österreichischen Sängerinnen - Christina Stürmer. Dieses Jahr war Nike wieder mit den "Töchtern" beim Österreichischen Frauenlauf mit dabei und konnte die Anzahl auf über 900 junge Frauen erhöhen. Und diese Idee macht Schule - mittlerweile wurde die "Club der Töchter"-Idee auch in weiteren Städten umgesetzt - in München, Hamburg, Leipzig, Köln, Frankfurt am Main und Zürich.
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In Zeiten des Web2.0 und der Social Media Plattformen suchen Sie auch dementsprechende Kommunikationswege, um mit jungen Frauen in Kontakt zu treten. Ja genau, diese Gruppe der jungen Erwachsenen muss man dort ansprechen, wo sie "zuhause" ist. Und das geschieht zB über soziale Plattformen wie Facebook, auf der wir als Österreichischer Frauenlauf seit Anfang 2010 vertreten sind. Wir haben bis dato knapp 8.000 Fans, die in regen Kontakt mit uns sind. Auch wenn die Anzahl der Facebook-Fans nicht das wichtigste ist - aber es freut mich natürlich, dass wir der Laufveranstalter mit den meisten UnterstützerInnen sind. Am wichtigsten ist für mich aber das unmittelbare Feedback, das durch Facebook möglich ist. Das war nach dem Österreichischen Frauenlauf 2011 zb überwältigend: 100te glückliche, begeisterte Postings auf unserer Fansite bezeugen das.
Frauen laufen für Frauen - Charities on the run |
Im Zuge des Österreichischen Frauenlaufs haben Sie in den vergangenen Jahren immer wieder gemeinnützige Organisationen unterstützt. Was hat Charity und Sport gemeinsam, warum ist Ihnen diese Verbindung wichtig?
In beiden Bereichen, Charity und Sport, geht es um Nachhaltigkeit! Viele Frauen haben durch die Teilnahme am Österreichischen Frauenlauf die Freude am Laufen oder allgemeiner, an der Bewegung entdeckt, in diesem Fall war der Österreichische Frauenlauf für viele sozusagen der Starschuss in ein bewegteres und somit gesünderes Leben. Solch einen Startschuss benötigen auch viele Charity-Organisationen oder Vereine um nachhaltig ihrer Klientel helfen zu können oder um in der öffentlichen Wahrnehmung zu bestehen. Aus diesem Grund unterstützen wir seit vielen Jahren die Wiener Frauenhäuser, die Aktion Brustgesundheit (gegen Brustkrebs) oder die Initiative Venengesundheit. Diese Initiativen decken alle Bereiche oder Notfälle ab, in die jede Frau in Österreich geraten kann. Frauen jeden Alters und jeder Schicht laufen bei uns mit, daher stellen wir für diese engagierten Organisationen auch eine perfekte Kommunikationsplattform dar. Natürlich muss ich als Mensch immer von der jeweiligen Initiative auch überzeugt sein. Was aber ebenfalls wichtig ist, ist die Beibehaltung des sportlichen Elements des Österreichischen Frauenlauf als Hauptgewicht. Es gibt viele Laufveranstaltungen, bei denen das Laufen in den Hintergrund rückt, und die Charity wichtiger ist. Diese Events haben natürlich auch ihre Berechtigung - bei uns soll aber das sportliche Element im Vordergrund stehen! Daher unterstützen wir immer einige wenige gemeinnützige Initiativen, diese dann aber sehr tatkräftig.
Sie unterstützen aber nicht nur lokale Organisationen, sondern auch international tätige Personen!
Wir haben in der Vergangenheit mit dem Frauenlauf-Award mutige Frauen unterstützt, die für Ihre Ideale kämpfen. Dieser Award und eine beträchtliche Summe gingen bereits an Waris Dirie, die sich gegen FGM engagiert, Stella Deetjen, die die sich für Straßenkinder und Leprabetroffene in Indien einsetzt, oder auch an Kathrine Switzer oder Tegla Loroupe - sie ist eine Profiläuferin, die sich auf ihrem Heimatkontinent Afrika für die Armutsbekämpfung, Aidshilfe und Bildung stark macht. Genauso nachhaltig wie diese Engagements war 2010 und 2011 die Zusammenarbeit mit Almaz Böhm und "Menschen für Menschen" - gemeinsam mit einem anderen Sponsor haben wir den Brunnenbau in Äthiopien unterstützt, welche in weiterer Folge Frauen und Mädchen mehr Zeit für Bildung etc. ermöglicht.
Frauenlauftreffs, Girlies Workout und Awards, woher nehmen Sie all diese Ideen?
Die meisten Ideen kommen mir, wenn ich laufen gehe. Ich habe einfach so riesigen Spaß daran, Frauen für das Laufen zu begeistern, dass täglich Ideen aus mir heraussprudeln. Nicht alle kann ich sofort umsetzen, das braucht Zeit. Auch mein Partner, Andreas Schnabl, hat einen sehr großen Anteil an dem Frauenlauf, wie wir ihn heute kennen. Mit ihm ist der Frauenlauf von einer 700-Personen-Veranstaltung zu einem zweitägigen Event mit über 25.100 Teilnehmerinnen und 100.000 ZuschauerInnen geworden. Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Wir sind füreinander Partner und Geschäftspartner und wenn wir gemeinsam laufen, kommen uns die besten Ideen!
Top-Athletinnen beim Frauenlauf |
2005 starteten beim Österreichischen Frauenlauf erstmals internationale Eliteläuferinnen. Warum ist das für den Lauf so wichtig?
Eine eigene Elite im Programm zu haben macht den Lauf natürlich sportlich gesehen viel interessanter. Zudem hat unsere nationale Elite so die Chance sich auch mit internationalen Größen des Laufsports zu messen und auch die Hobbyläuferinnen und jungen Mädchen können beim Frauenlauf damit ihre internationalen Vorbilder aus nächster Nähe beobachten und sogar mit ihnen im gleichen Wettbewerb starten. | 
Die Elite-Siegerinnenehrung 2011 | 
Siegerin 2011: Ana Dulce-Félix |
 In dieser Hinsicht gehen Sie aber noch einen Schritt weiter - Sie unterstützen ja auch ein heimisches Lauftalent.
Genau - seit 2009 sponsoren wir die unserer Meinung nach größte österreichische Zukunftshoffnung im Langstreckenlauf - Jenni Wenth. Andreas und ich haben sie Ende 2008 bei den Europäischen Crosslaufmeisterschaften kennen gelernt und waren sofort von Jennis Talent und Potential überzeugt. Aus diesem Grund unterstützen wir Jennis Sporthilfe Mentoring Programm mit € 5000,- pro Jahr - mit diesem Geld kann Jenni auf Trainingslager fahren und ihre Zeit vermehrt ins Training stecken. Österreich ist derzeit nicht gerade ein Land mit vielen "Leichathletik-HeldInnen" - es gibt zwar einige gute AthletInnen, aber leider ist für die meisten Medien Schifahren und Fussball immer noch prioritär. Deshalb möchten auch wir unseren Beitrag leisten, dass der Leichtathletik-Szene wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt wird, und dieser Weg führt nur über - auch international - erfolgreiche Athletinnen. Wir unterstützen Jenni aber nicht nur finanziell - im Rahmen des Österreichischen Frauenlaufs lernte Jenni ja auch einige internationale Top-Athletinnen wie Jelena Prokopcuka, Irina Mikitenko, Benita Willis, Jessica Augusto, Ana Dulce-Félix usw. kennen - das sind nicht nur role models, von denen man lernen kann, sondern das sind ja auch tolle Kontakte, die man für die eigene Laufkarriere nützen kann.
25 years....more than running! |
Sie konnten mit dem Österreichischen Frauenlauf in all den vergangenen Jahren die Teilnehmerinnenzahl immer wieder erweitern. 2012 feiern Sie das 25-Jahr Jubiläum des Österreichischen Frauenlaufs. Was bedeutet das für Sie?
Es bedeutet eine Menge für mich! Zum einen, weil ich meinen Traum in die Tat umsetzen konnte, sehr viele Frauen für den Laufsport zu begeistern. So konnten wir im Jahr 2000 das erste Mal über 5.000 Teilnehmerinnen begrüßen, 11 Jahren später, also 2011, fast 20.000 Frauen mehr zur Teilnahme bewegen - das ist ein Zuwachs von + 372%! Zum anderen freut es mich natürlich, dass wir durch unsere Arbeit dazu beigetragen haben, den Frauenanteil bei Wettbewerben sukzessiv zu erhöhen. So waren 1988 beim Wienmarathon beispielsweise nur 4 Prozent der StarterInnen Frauen, 2011 gab es im Halbmarathon und Marathon-Bewerb schon fast 25% Finisherinnen. Und so ähnlich profitieren viele andere Laufveranstalter von uns. Im letzten Jahrzehnt wurden auch einige Frauenläufe in Österreich neu entwickelt. Für diese galt der Österreichische Frauenlauf als eine Art "best practice", also als nachahmenswertes Vorbild. Viele Ideen, wie jene der Frauenlauftreffs, wurden beispielsweise übernommen.
25 Jahre so eine großartige Veranstaltung organisieren zu können, ist einerseits eine anstrengende und manchmal auch nervenaufreibende Aufgabe, aber am Ende des Tages ist es auch ein sehr, sehr schönes Privileg - nämlich das zu arbeiten, was man möchte und dass man damit vielen eine Freude machen kann und für ein gesünderes, aktives Leben motiviert.
Woher nehmen Sie die Motivation und Kraft Jahr für Jahr den Österreichischen Frauenlauf auf die Beine zu stellen?
Zuallererst machen mich das Lob und die Emotionen der Teilnehmerinnen sehr stark. Wir bekommen nach der Veranstaltung viele positive Emails und Postings über Facebook. Am berührendsten sind für mich die 10 Minuten vor dem Startgong, wenn ich mich durch die tausenden Frauen hindurch auf den Weg zur Startlinie mache. Es überwältigt mich beinahe, wenn mich fremde Frauen umarmen, beglückwünschen, sich bei mir bedanken. Das sind jene Momente, in denen ich spüre, wofür es sich zu arbeiten lohnt und dass diese Veranstaltung einfach einzigartig ist. Die Frauenpower am Start, die vielen strahlenden Gesichter der Mädchen und Frauen im Ziel zu sehen und der Spaß mit einem so tollen Team zu arbeiten, gibt mir jedes Jahr die Kraft wieder mit neuen Ideen an die Sache Österreichischer Frauenlauf heranzugehen.
Dass wir 2012 den 25. Frauenlauf veranstalten, zeigt deutlich, wie wichtig der Sport für Frauen und wie hoch die Nachfrage nach Gemeinschaftsaktivitäten für diese geworden ist. Natürlich ist auch die Anerkennung von anderen Organisatoren eine große Ehre für mich. Viele Laufveranstalter schauen sich einiges von uns ab. 2011 hatten wir sogar internationale Beobachter aus den USA und aus der Schweiz zu Gast beim Österreichischen Frauenlauf. Dale Shumanski von den New York Road Runners, die u.a. den NYC Marathon oder auch den ersten Frauenlauf der Welt, den New York Mini 10k, organisieren, sowie Catherine Imhof und Benno Kästli, verantwortlich für den Schweizer Frauenlauf in Bern, haben sich bei uns als „offical observer angemeldet und sich unser Event über das ganze Wochenende angesehen. Dieser Besuch ehrt mich ganz besonders, waren doch beide Veranstaltungen in vielerlei Hinsicht Vorbild und Inspiration für den Österreichischen Frauenlauf. Wie sieht die Vorbereitung eines solchen Events aus?
Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über und werden immer zeitintensiver. Der Österreichische Frauenlauf ist nicht nur eine Veranstaltung, sondern natürlich auch ein Unternehmen. Da wir die Arbeit allein gar nicht mehr bewältigen können, haben wir mittlerweile 5 Mitarbeiterinnen. Vor 6 Jahren habe ich auch meinen Job aufgegeben und mich völlig dem Frauenlauf verschrieben. Eigentlich bin ich Lehrerin. Dass die Planung eines solchen Events so zeitaufwendig ist, können sich die meisten Leute gar nicht vorstellen. Wir wurden schon des Öfteren gefragt, was wir das ganze Jahr über tun, "nur" um ein Wochenende vorzubereiten. Aber es tröstet mich, dass es nicht nur uns so geht! Bei der Pressekonferenz des Chicago Marathons wurden nämlich die Organisatoren auch gefragt, warum die Vorbereitungen eigentlich so viel Zeit in Anspruch nehmen - und dieser Marathon gehört schließlich zu den größten der Welt.
Welche sind Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse rund um den Österreichischer Frauenlauf? Wo soll ich da anfangen?! Natürlich machen mich die Teilnehmerinnenrekorde der letzten Jahre sehr stolz. 25.145 Frauen und Mädchen auf der Hauptallee knapp vor dem Start stehen zu sehen und zu fühlen, dass es sich wieder einmal gelohnt hat so viel zu arbeiten.
Frauenlauf-Pionieren Kathrine Switzer persönlich kennen zu lernen war sicher eines der Highlights für mich. Sie trug 2005 beim Rennen die Nummer 10.000, weil wir erstmals über 10.000 Starterinnen hatten. Bei der anschließenden Award-Verleihung gab es dann Standing Ovations, das war sehr bewegend. Kathrine meinte, dass der Österreichische Frauenlauf reif dafür sei, internationale Meisterschaften auf IAAF-Niveau auszutragen – es ist großartig, so etwas von einer Person zu hören, die selbst hunderte Laufveranstaltungen organisiert hat. Für das größte Kompliment sorgte sie aber mit der Aussage, dass der Österreichische Frauenlauf einer der bedeutendsten Frauenläufe der Welt sei. So etwas macht mich natürlich besonders stolz.
Und natürlich war auch die Verleihung des Sportehrenzeichens der Stadt Wien und das Goldene Verdienstzeichens der Republik Österreich eine große Ehre. Letzteres habe ich beim 20. Österreichischen Frauenlauf 2007 von der damaligen Bundesministerin für Frauen, Doris Bures vor der Kulisse von 10.000 Frauen überreicht zu bekommen. Die Erinnerung daran erzeugt noch immer Gänsehaut bei mir.
Der Erfolg, bei Krone und Kurier auf die Titelseite zu kommen war auch super. So viel mediale Aufmerksamkeit für den Frauenlauf zu bekommen ist großartig! 2008 hatten wir das erste Mal eine 10-minütige Zusammenfassung des Österreichischen Frauenlaufs in ORF1. 2011 haben 238.000 ZuschauerInnen den Frauenlauf-Beitrag gesehen, das ist schon gewaltig. Dass wir auch auf Facebook so beliebt sind, ist ebenfalls sehr beeindruckend – wir konnten beim Start unseres Auftritts Anfang 2010 innerhalb von nur 10 Tagen 1.000 Fans erreichen. Da fiebert man als Organisatorin natürlich mit und ist sehr glücklich über so ein positives Committment unserer Teilnehmerinnen.
Und auch unsere internationalen Spitzenathletinnen streuen uns immer wieder sprichwörtlich Blumen. Als Sabrina "Mocki" Mockenhaupt, Siegerin des Elitelaufes 2008, nach dem Lauf bei der anschließenden Pressekonferenz erklärte, "Der Österreichische Frauenlauf ist der schönste der Welt", war das eine große Auszeichnung.
Wie sehen Sie den Österreichischen Frauenlauf in Zukunft? Einerseits ganz entspannt. Ich mache mir keinen Druck, neue Teilnehmerinnenrekorde zu brechen. Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Frauen zum Laufen finden werden, wenn wir nur so weitermachen und den Frauenlauf als Fest der Familie in der Form beibehalten. Ein Teilnehmerinnenlimit habe ich mir nicht gesetzt. Jede die möchte, darf teilnehmen - je mehr desto besser! | 
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